K.O.- Tropfen: Das gefährliche Spiel mit dem Leben Anderer

K.O.- Tropfen im Bier: Wenn das Aufwachen zum Albtraum wird

Rätzelhafte Blackouts nach Guggentreffen
 
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Rätzelhafte Geschichten lassen auf Einsatz von K.O.- Tropfen schließen.

Es ist Montag, die neue Woche lässt das vergangene Partywochenende der Vergangenheit angehören, Erinnerungen an das tolle Guggentreffen lassen die Vorfreude auf die kommende Fasnet erblühen.
Tolle Momente, an die sich Sandra M.* seit dem Erwachen am Sonntag Morgen vergeblich versucht zu erinnern. Nur die ersten drei Partystunden sind ihr geblieben, danach plötzlich der Filmriss.


Was ist am Samstag passiert, wie bin ich denn nach Hause gekommen, Fragen über Fragen machen der jungen Frau zu Schaffen. Körperlich fühlt sich die partyerprobte Musikerin, als habe sie mehr als nur einen Drink über den Durst getrunken, obwohl aus dem Freundeskreis nur wenige Fläschchen Bier bestätigt wurden.
Als an diesem Montag gleich weitere solcher Geschichten bei uns einschlagen, werden wir skeptisch und recherchieren nach. Die einzig plausible Antwort heisst K.O.- Tropfen.
An einen Zufall glauben wir nicht mehr, denn selbst unsere eigenen Team- Mitglieder berichten unabhängig von Tag und Veranstaltungsort über dubiose Vorkommnisse, sind bestürzt über das selbst Mitverfolgte im eigenen Bekanntenkreis. Mit einem Recherche- Rundschreiben an die jeweilig betroffenen Veranstalter und mitwirkenden Vereine stossen wir schnell auf offene Ohren und weitere Hinweise landen in unserem Postfach.

   

Vorkommnisse, wie Sandra M.* sie erlebt haben, kennen wir bereits aus den Medien, umso erstaunter sind wir über das selbst Mitverfolgte unserer Mitarbeiterin Martina. Wir trauen unseren Ohren kaum, eigentlich müsste die Geschichte ein Schmunzeln hervorrufen, wäre der Einsatz von Party- Drogen und KO- Tropfen nicht ein wortwörtlich todernstes Thema.
Ganz und gar nicht mehr Herr über die Sinne und den eigenen Körper erging es Peter S.* und Manfred V.* an einem Guggentreffen, nur eine Woche vor dem zuerst Erwähnten.
Die beiden Musiker wurden während des Auftritts durch einen plötzlichen Blackout lahmgelegt. Völlig apathisch und absolut unfähig, dem Geschehen zu folgen standen die manipulierten Burschen in den Reihen der Vereinskollegen. Nicht mehr in der Lage, dem Instrument ein Tönchen zu entlocken, die Orientierung komplett verloren und quasi im Stehen eingeschlafen beschreibt unsere Kollegin die Situation.
Die ansonsten "drinkfesten" Guggenmusiker wahren stets Disziplin vor dem Auftritt, wurden jedoch durch geringe Mengen Bier ausser Gefecht gesetzt. Symptome, die sich mit den Wirkungen von GHB (Gamma-Hydroxy-Buttersäure) decken.
GHB (K.O.- Tropfen), Drogen, die einen Menschen bewusstlos, hilflos oder handlungsunfähig machen, besagen die Beschreibungen in Kurzform. Darüber hinaus kann die Verabreichung je nach körperlicher Verfassung und in Verbindung mit verschiedener Alkoholika bis zum Atemstillstand, also auch bis zum Tod führen.

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Ein unbeaufsichtigtes Gedränk ist ein gefundenes Fressen für K.O.- Tropfen- Täter.

 

Eine Erfahrung, die auch Horst W.* während der letzten Fasnacht am eigenen Leib erfahren musste. Der Musiker entkam nur knapp dem Tod, als er plötzlich vor der Festhalle zusammen brach. Nur die schnelle Reaktion anwesender Gäste und letztenendes seine sportliche Konstitution retteten sein Leben, so dass er nach längerem Krankenhausaufenthalt den Genuss eines offensichtlich gepantschten Getränks überstanden hatte.
   

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K.O.- Tropfen können sich recht schnell nach der Einnahme durch Übelkeit und Schwindelgefühl bemerkbar machen. Opfer der Gedränkemanipulation denken sich oft nichts Schlimmes dabei, schieben den Grund eher auf den Alkoholgenuss. GHB (Liquid Ecstasy) ist eher geschmacksneutral oder wird durch den Geschmack des Getränks überdeckt und somit nicht entdeckt. All zu oft machen es Partybesucher den Tätern leicht, in dem offene Getränke unbeaufsichtigt am Tisch oder an der Theke verbleiben.

Wie starkt die Wirkung dieser heimtückischen Beigabe letzten Endes ausfällt, hängt neben körperlicher Verfassung, Zeitraum der letzten Mahlzeit, Alkohol- oder auch Medikamenten- und Drogenkonsum ab.
Das Ziel der Täter sind oft junge Frauen, die unter der Wirkung willenlos, manipulierbar und somit leichte Beute für sexuelle Handlungen, gar Vergewaltigungen werden. Opfer ohne Gegenwehr auszurauben ist ein weiterer Beweggrund, dem neben Frauen auch Männer zum Opfer fallen.
Die Substanz ist nur wenige Stunden in Blut- und Urinproben nachweisbar, im Nachhinein ist es kaum möglich, einen konkreten Nachweis zu erbringen. Betroffene melden sich oft erst Tage später oder trauen sich aus eigenem Schamgefühl nicht zum Arzt oder zur Polizei. Verunsichert durch den erlittenen Filmriss behalten sie den Vorfall für sich, was die Dunkelziffern der Vorfälle in ungeahnte Höhe schnellen lässt.
   

Rechtlich gesehen gilt die Verabreichung von K.O.- Tropfen als gefährliche Körperverletzung, ungeachtet davon, dass ein etwaiger sexueller Mißbrauch von widerstandsunfähigen Personen bei Überführung des Täters mit bis zu 10 Jahren Gefängnis bestraft wird. GHB unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz, der Besitz, Kauf, Handel sowie die Abgabe und Verabreichung ist strafbar.
Leider sind die Möglichkeiten, einen Täter dingfest zu machen, sehr gering. Betroffene Opfer sind kaum in der Lage, sich selbst rasch im Krankenhaus vorzustellen, um wenigstens die Substanz nachweisen lassen zu können.

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Betroffene klagen zudem oft darüber, dass sie von Ärzten nicht ernst genommen werden, ihr Problem auf überhöhten Alkoholgenuss geschoben wird. Der Polizei sind ohne medizinischen Befund die Hände gebunden, können allerhöchstens eine Anzeige gegen Unbekannt aufnehmen. Beweise nach einem Blackout zu erbringen - fast ein Ding der Unmöglichkeit.
 
Wie können wir uns dagegen schützen?
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Achtlos stehen gelassene Getränke sind ein gefundenes Fressen für K.O.- Tropfen- Täter. Lasst Eure Getränke nie unbeaufsichtigt am Tisch stehen oder gebt diese nur in Obhut vertrauenswürdiger Freunde.
Besorgt Euch Eure Getränke selbst und seid vorsichtig mit angebotenen Getränken von Fremden, auch wenn es nur der gut gemeinte Erfrischungstropfen aus dem Publikum an den Musiker auf der Bühne ist.

Im Freundeskreis oder unter Vereinskollegen sollte viele Wert auf die gegenseitige Kontrolle gelegt werden. Scheut Euch nicht, Euch bei plötzlich auftretenden Symtomen Eure Freunde und Kameraden zu informieren. Umgekehrt sollte Euch auch ein plötzlich verändertes Verhalten Eurer Freunde dazu veranlassen, sich nach deren Befinden zu erkundigen.

Tritt ein konkreter Verdacht auf, unbedingt das Personal, den Veranstalter, Securitys oder andere anwesende Sicherheitskräfte (z.B. Sanitäter) darüber informieren. Scheut nicht den Weg zum Arzt oder Krankenhaus, vor allen Dingen bei eventueller Bewusstlosigkeit unbedingt Sanitäter oder ärztliche Hilfe organisieren. Auch der Weg zur Polizei sollte nicht ignoriert werden.

Veranstalter sollten sich mehr und mehr mit dieser Thematik vertraut machen. Auch wenn sie präventiv nicht viel gegen Täter ausrichten können, sollten sie stets in der Lage sein, schnell hilfreich zur Seite zu stehen und rasch für weitere Hilfsmaßnahmen sorgen zu können.
Unsere Email- Recherche hatte aufgezeigt, dass Veranstalter mit solchen Vorkommnissen nie gerechnet hätten. K.O.- Tropfen- Einsätze werden wohl eher den Discos in Großstädten zugeschrieben. Irrtum! Auch kleinste Dörfer z.B. im Schwarzwald- Baar- Kreis sind während der vergangenen Fasnet bereits betroffen gewesen, so weitere Feedbacks in unserem Umfeld.
Zivilcourage ist gefragt, wenn verdächtige Beobachtungen gemacht werden. Je nach Situation den mutmaßlichen Täter nicht mehr aus den Augen lassen und Securitys verständigen. Unsichere Getränke auf keinen Fall mehr verzehren, dieser möglichst zur Beweissicherung aufbewahren.
Vorsicht ist besser als bitteres Nachsehen!
   

In eigener Sache:

Geile Party ... und du weisst nicht mehr, was war?
Völlig unbedacht zierte dieser Spruch unseren ersten Flyer. Zu unseren Anfangszeiten hätten wir nie gedacht, wie schnell solch ein Spruch auch ganz andere Thematiken berührt.
Unser Team war in den letzten Wochen auf all den betroffenen Veranstaltungen selbst vor Ort, für uns umso mehr ein Grund, die Fasnets- und Guggenszene zu warnen und wach zu rütteln. Betroffene Personen gehören zu unserem direkten Bekanntenkreis. Zur Wahrung derer Privatsphäre und zum Schutz der jeweilgen Veranstalter haben wir die Namen geändert bzw. nicht erwähnt.
Eure Meinung ist uns wichtig und wir haben stets ein offenes Ohr für Eure Beiträge zu diesem Thema. Gerne veröffentlichen wir auch als Anhang Erfahrungsberichte unserer Leser.

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Eure Beiträge per Email an:
Info@libis-web.de
Alle Zuschriften werden jedenfalls diskret behandelt.
 

Weiterführende Links

Bundesministerium für Gesundheit >>
K.O. Tropfen und sexuelle Gewalt
Lass dich nicht K.O.- Tropfen >> Webseite mit allen Infos rund um K.O.-Tropfen
CanNObis >> Eine Kampagne des Landeskriminalamtes Baden- Württemberg
Polizei Baden- Württemberg >> "Nur das Wissen um die Droge ist ein Stück Macht gegen die Droge"
Rauschgift! Ohne mich! Umfangreiches PDF- Dokument des Landeskriminalamtes Baden- Württemberg
Bericht downloaden Diesen Bericht als PDF- Download, zur Weiterverwendung für z.B. den Email- Verteiler

 
Lesermeldungen und Hinweise:
Guggen- Plattformen
Unsere Warnungen im Internet
Gemeldet: 07.12.2009
In den wichtigsten Guggenmusik- Plattformen Guggenworld.de und Mygugg.de sind bereits unsere Warn- Threads geschaltet, um die Guggenszene über die aktuellen Ereignisse zu informieren und zu warnen.
Das Thema K.O.- Tropfen wird sehr ernst genommen und viele Anfragen zu unserem PDF- Bericht gehen bei uns ein, der sgleich als Rundschreiben in den eigenen Vereinen die Runde macht.
Danke an all diejenigen, die somit auch die Guggenmusiker mit ins Boot nehmen, welche sich nicht über die Plattformen auf dem Laufenden halten.
 

Meldung:
Region Rhein-Neckar-Dreieck
Fasnachtumzug
Gemeldet: 07.12.2009

Während eines Fasnachtumzugs bekommen mehrere Teilnehmer Getränke aus dem Publikum gereicht, worauf 12 Personen aus drei Vereinen wegen K.O.- Tropfen lahmgelegt werden. Kurz darauf erhalten die Betroffenen Post der zuständigen Polizei mit der Warnung, zukünftig keine Getränke mehr während solcher Veranstaltungen von Fremden anzunehmen.
   
Meldung
Region Hochrhein
Halloweenparty
Gemeldet: 07.12.2009
Lediglich zwei Bacardi- Cola hatte ein Guggenmusiker getrunken, bevor er von seiner Freundin und einer weiteren Begleiterin heimbegleitet werden musste. Er war selbst nicht mehr in der Lage, ohne Hilfe zu laufen und erinnert sich am Folgetag nur noch an die Zeit bis zum erstenGetränk.
In ein Trinkhorn wurden die K.O.- Tropfen geträufelt, welches er bis dahin unbedacht an seinem Gürtel offen getragen hatte.
   
Guggen- Plattformen
Auch Andere warnen mit!
Entdeckt: 08.12.2009
Eine weitere bekannte Guggenmusik- Plattform macht sich stark für die Guggen- und Fasnetsgemeinde. Fasnet-musix.de hat schnell reagiert mit einem Bericht auf der Startseite zum Thema K.O.- Tropfen und warnt damit die Seitenbesucher. Herzlichen Dank für die Mithilfe.
Zitat von Maik Greiner, Administrator von Guggenworld.de:
Man kann dieses Thema gar nicht ernst genug nehmen.
   
Feedbacks:
Vereine und Plattformen
12.12.2009
Weitere Vereine und Plattformen aus der Guggen- und Fasnetszene machen mobil und verteilen intern Infos zum Thema. Erste Ideen wurden wach, ein Netzwerk gegen K.O.- Tropfen zu bilden, ähnlich der Kampagne Stay Gold. Die Umsetzung ist derzeit jedoch noch offen, verdient jedoch jedenfalls, sich darüber Gedanken zu machen.
   
Guggen- Plattformen
Auch Andere warnen mit!
Gemeldett: 19.12.2009
Auch der Deutsche Guggenmusikverband (DGV) wurde von uns ausführlich informiert und reagiert mit einem Hinweis auf der Verbandswebseite. Darüber hinaus veranlasst deren webmaster ein Rundschreiben an die zugehörigen Guggenmusiken. Vielen Dank an den DGV insbesondere Rocco Balzer.
   
Feedbacks:
Vereine & Behörden
21.12.2009
Nachdem durch eigene Initiative viele Guggenmusiker und Fasnächtler auf K.O.- Tropfen und die bevorstehende Fasnet sensibilisiert wurden schweigt sich die Polizei Baden- Württemberg aus. Bis dato haben wir kein Feedback auf unsere Anfragen und Hinweise bekommen. Wir bleiben dran.
Derweil tauchen immer wieder neue Geschichten auf, die allerdings lediglich nur einen Verdacht schildern, jedoch zu wenig klare Hinweise auf K.O.- Tropfen.
   
Feedbacks:
Vereine & Behörden
22.12.2009
Unsere Bemühungen mit der Kontaktaufnahme zum Landeskriminalamt haben gefruchtet. Nach erstem Schriftverkehr stehen im kommenden Jahr persönliche Gespräche mit der Abteilung Prävention an. Mal schauen, was dabei raus kommt. Unsere Initiative wird positiv aufgenommen.
Wir haben derweil im Bericht unter "Weiterführende Links" noch wietere informative Webseiten und PDF- Unterlagen aufgeführt.
   
Eigeninitiative:
Libis-web.de bleibt dran!
23.12.2009
  K.O.-Tropfen! Es kann jeden treffen! Lass dein Getränk nie aus den Augen!
Unsere Eigeninitiative nimmt Farbe an. Mit einem eigens erstellten Logo wollen wir auch zukünftig an diesem Thema dran bleiben und stets kritisch auch auf die Schattenseiten der Fasnet hinweisen.
Unser Logo steht für alle Interessenten zur Weiterverwendung bereit.
Mit einem Klick auf's Logo geht's weiter zur Downloadseite.
 
 

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Bericht & Illustration:Ralf Liebermann
07.12.2009

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